Autor Thema: EMV  (Gelesen 17658 mal)

Joachim

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EMV
« am: 06. Dezember 2009, 13:46:21 »
Was hat die Prüfung eigentlich gekostet und
ist sie grundsätzlich nötig. hab mal was ghört
das die bei autos die noch zugelassen sind nicht benötigt wird.
wie sind denn da so die gesetze?
Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte Dich nur vor dem Stehen bleiben.

CHristoph

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Antw:EMV
« Antwort #1 am: 07. Dezember 2009, 19:19:18 »
Hallo Ethan

Wie schon im EL-Forum gefragt, würde mich interessieren, ob "nur" die Emission gemessen wurde oder auch die gestrahlte Immunität. Aus dem TV-Bericht geht dies leider nicht hervor, sieht mir aber nach nur Emission aus.
Zweite Frage war nach den Detektoren. In der Graphik ist eine blau e und eine grüne Linie. Leider steht nicht, ob dies Average und Quasi-Peak ist, oder ob die eine Kurve Peak ist. Steht da im originalen Bericht mehr dazu ?
Die Kosten von 2400 Euro setze ich etwa 12h Aufwand gegenüber. Was wurde denn da alles gemacht ? Und hättest Du grundsätzlich auch selbst einen Beitrag leisten können oder nicht ?

Gruss

CHristoph

arnolde

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Antw:EMV
« Antwort #2 am: 07. Dezember 2009, 23:13:09 »
Hi,

hier ein Ausschnitt aus dem Prüfbericht:

Fahrzeugausführung:            Opel Corsa-B, Limousine, 2-türig mit Heckklappe, elektromotorischer Antrieb
Fahrzeugidentnummer:           VSX000073P6018108

Technische Daten des Antriebs:
Elektromotor:                  Industriemotor
Nennspannung:                  3 AC 400 V
Nennstrom:                     14,8 A
Nennleistung:                  7,5 kW bei  3000 U/min
Motorcontroller:               15 kW/ 400 V
Versorgung Gleichstrom aus Akkuzellen 150 x 3,2 V/ 20 Ah

Nr.   Bezeichnung                                           Nominalspannung     Strom           Leistung
1     Feste Anschlußleitung                                  DC 500 V            s.o.            s.o.

Gewählte Betriebsarten für die Prüfung:
Nr.   Betriebsart des Fahrzeugs
1      Das Fahrzeug wurde aufgebockt und bei 80 km/h im 4. Gang ohne Last gemessen, da diese
      Einstellung die ungünstigste (worst-case) war.

[...]

Messgeräte:
Inventarnummer                    Gerätebezeichnung                  Hersteller           Typ
1800124                           FUNKSTOERMESSEMPFAENGER            R&S                  ESI07
1810060                           Antenne                            SCHWARZBECK          VULB9163
1820061                           KFZ-NETZNACHBILDUNG                R&S                  ESH3-Z6
3002002                           Notebook                           ASUS                 M6000, Software EMC 32  V.5.20.1

Angaben zur Prüfungsdurchführung:
Antennenabstand:                 Messentfernung 10 m
Prüfaufbau:                      Das zu prüfende Fahrzeug wurde für Breitbandstörungen entsprechend der
                                 Abschnitte 4, 5 und 6 in einer Absorberhalle (ALSE) mit horizontaler und
                                 vertikaler Polarisation auf der linken wie auf der rechten Fahrzeugseite
                                 geprüft.

                                 Weitere Einzelheiten sind der Anlage Photodokumentation zu entnehmen.

Meßverfahren:                    Quasipeak-Detektor; Bandbreite 120 kHz
Gewählte                         Für die Prüfung wurde die Betriebsart Nr. 1 gemäß Abschnitt "Beschreibung
Betriebsarten:                   des Fahrzeugs" gewählt.
Ergebnis:                        Bestanden

Hilft Dir das weiter?

Die ca. 2400 EUR waren für IPXXB und EMV zusammen (je ca 1000 EUR netto), tatsächliche Prüfdauer waren ca. 2h jeweils (wobei ich bei der IPXXB vor Ort nachgebessert hab). Klingt nach viel, aber die Halle kostet ja net grad nen Butterbrot und das Berichtschreiben braucht auch seine Zeit.

Im Originalbericht ist nur eine blaue Linie jeweils zu sehen, keine grüne. Die grüne hab ich von einer getrennt zugesandten Grafik (war ja nicht relevant für den Bericht, weil durchgefallen)

Gemessen wurde nur die Störausstrahung, nicht die Störresistenz (Einstrahlung). Gefordert war (weil Baujahr vor 2002) eine Zertifizierung nach VDE 0879 Teil 2, dies sieht nur die Störausstrahlung vor.
« Letzte Änderung: 07. Dezember 2009, 23:18:11 von arnolde »

CHristoph

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Antw:EMV
« Antwort #3 am: 08. Dezember 2009, 21:01:52 »
Hallo Ethan

Ganz klar ist mir das noch nicht. Auf den Plots steht VDE 879 Teil 1, also die deutsche Ausgabe der EN 55012 / CISPR 12. Dass diese als Minimum auch für Fahrzeuge vor 2003 angewendet wird, kann ich auch noch knapp verstehen, werde hier aber noch weitersuchen. Nun bringst Du aber die VDE 879 Teil 2 ins Spiel, also die EN 55025 / CISPR 25. Dies verstehe ich nicht, ausser es sei einfach nur bezogen auf die Messmethode, weil das Auto in der Halle gemessen wurde (aber nur von 30 MHz bis 1 GHz wie in 55012) und nicht auf einem Freifeldmessplatz.
Noch ein Wort zu blau und grün. Meine Vermutung geht dahin, dass blau Peak war und grün Quasipeak bei der Fail-Messung. Die Differenz der Kurven ergibt eine Aussage, wie "hart" und schmalbandig der Störer ist, respektive, wie die Impulsfrequenz in etwa ist. Wenn grün nun aber tatsächlich Quasipeak war, war die Messung nicht derart dramatisch "fail", sondern nur sehr nahe am Grenzwert mit der Wahrscheinlichkeit, dass es Betriebszustände gibt, die eine Überschreitung zur Folge haben.
Zudem ist die Limite noch mit 2 dB Toleranz geschoben, sie ginge streng genommen von 34 dBuV/m zu 45 dBuV/m. Ich gehe davon aus, dass dies auf Grund des Messverfahrens gemacht wurde.
Bei der zweiten Kurve (Pass), die Du gezeigt hast, ist dann anscheinend nur noch Peak gemessen worden, und dies mit dem Messempfänger. Damit ist dann inhärent auch Quasipeak erfüllt.

Gruss

Christoph

Nachtrag 12.12.09: Die zwei dB Unterschied sind durch die Richtlinie 72/245/EWG und 2004/104/EG selbst begründet. Dort sind die Grenzwerte gegenüber CISPR 12 auf 32dBuV/m und 43dBuV/m verkleinert worden.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2009, 20:05:37 von CHristoph »

arnolde

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« Antwort #4 am: 09. Dezember 2009, 09:53:56 »
Sorry, hatt emich vertan, ich meinte Teil 1. Teil 2 war nicht gefordert.

Jetzt hab ichs hier liegen und kann zitieren:
§55a StVZO, Stand 2006: EMV - für Fahrzeuge die ab dem 01.10.2002 erstmals in Verkehr kommen
Übergangsvorschrift: Für Fahrzeuge die zwischen 01.01.1985 und 30.09.2002 erstmal in den Verkehr gekommen sind, bleigt §55a in der vor dem 01.09.1997 geltenden Fassung anwendbar. Diese hat den Wortlaut: "[...] gelten als funkentstört, wenn sie DIN 57879 Teil 1/VDE 0879 Teil 1/6.79 Abschnitt 4.1, 4.2, 4.3.1 und 4.4 entsprechen. [...]"

Kurz gesagt: Fahrzeuge mit Erstzulassung zwischen 01.01.1985 und 30.09.2002 müssen VDE 0879 Teil 1 in der Fassung 6/79 erfüllen. Diese weicht leicht von der derzeitigen Fassung (2008) ab (beim VDE hatten sie tatsächlich die alte Fassung in Papierform vorliegen bei der Prüfung), aber als Anhaltspunkt kann die aktuelle Fassung hergenommen werden. Im Computer war wohl nur die Grenzwertlinie der neuen Fassung gespeichert.

Weitere Anforderungen finden sich in "ECE-R 100", z.B. die Punkte 5.1.2.1.3 (IPXXD im Fahrgast- und Laderaum) sowie 5.1.2.1.4 (IPXXB in anderen Bereichen).

CHristoph

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« Antwort #5 am: 09. Dezember 2009, 20:20:24 »
Tatsächlich !
Habe soeben die CISPR 12 von 1978 im Archiv angeschaut und da gibt es tatsächlich leicht andere Grenzwerte, die dann 1986 mit dem Ammendment 1 auf die aktuellen Werte geändert wurden. (Die VDE 879 oder andere EMV-Normen dieser Reihe ist nur eine deutsche Übersetzung/Abschrift der jeweiligen CISPR - Norm.)
Damit ist es aber für Deutschland wirklich klar, was zu tun ist. Bleibt die Frage noch abzuklären, ob es ein akkreditiertes Labor sein muss oder ob der Nachweis auch mit eigenen Mitteln erbracht werden kann.
Vielen Dank für die Info. Damit sind wir ,oder besser gesagt, andere Umbauwillige wieder einen Schritt weiter gekommen.

Gruss

Christoph

Steini

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« Antwort #6 am: 12. Dezember 2009, 14:54:06 »
Hallo ihr zwei.

Hierzu auch nochmal ein paar Fragen:

1) Das Auto war bei der Messung doch aufgebockt. Bei welcher Drehzahl des Motors ist die Messung denn durchgeführt worden? Das waren ja dann quasi Leerlaufmessungen?!

2) Ich dachte, eine EMV-Messung muss nicht zwangsläufig gemacht werden, wenn alle verwendeten Komponenten selbst EMV-geprüft sind, was bei einer CE-Zulassung der Fall sein muss?!

3) Warum ist denn eine Berührungsschutzprüfung nötig? Das ist doch beim normalen Verbrenner auch nicht gegeben? Wenn ich Lust hab, steck ich da meinen Finger einfach mal zu den Nebenaggregaten?!

Grüße
Chris

CHristoph

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« Antwort #7 am: 12. Dezember 2009, 20:02:30 »
Hallo Chris

Zu 1) Sei froh, ist es so. Unter Belastung dürften die Störpegel in vielen Fällen höher sein.
Die Norm schreibt vor, dass das Auto entweder auf der Rolle oder aufgebockt ohne Last geprüft wird. Die Geschwindigkeit soll 40 km/h betragen.
Wie bei allen anderen Emissionsprüfungen macht es aber Sinn, auch den ungünstigsten Fall zu suchen und zu beurteilen, da die Norm nur Vermutungswirkung hat.


Zu 2) Das ist auch so gemäss Richtlinie 2004/104/EG. Dadurch wird das Verfahren vereinfacht, so dass einzeln geprüfte Komponeneten nicht noch einmal geprüft werden müssen. Eine Emissionsmessung des gesamten Autos ist aber trotzdem noch durchzuführen gemäss §55a StVZO, wie Ethan geschrieben hat.


Zu 3) Schau Dir die R100 genau an. Dort steht, was bei Spannungen > 60V alles zu prüfen ist. Unter anderem der Berührungsschutz, also der Test mit dem Prüffinger im Abschnitt 5.1.2. Die R100 gilt übrigens nur für Elektro-Autos. Bevor die Frage kommt:
R100, R10 und R101 kann man herunterladen bei www.bmvbs.de.

Ob Du Lust hast oder nicht, ist im Dschungel der Normen und Richtlinien übrigens hinreichend wurscht. Du kannst selbstverständlich Deinen Finger nehmen für die Kontrolle, sofern er kalibriert ist. :-)


Gruss

CHristoph

Sebastian

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« Antwort #8 am: 14. Dezember 2009, 14:32:40 »
Hallo zusammen,

ich habe leider nicht den kompletten Gesetzestext zur Verfügung:
Ist es richtig, dass Fahrzeuge mit Zulassung vor 1985 demnach keine Prüfung benötigen?

Danke und Grüße, Sebastian

arnolde

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« Antwort #9 am: 27. Januar 2010, 07:23:10 »
Sorry, weiß ich nicht... wäre möglich!